Der Luther-Tetzel-Weg

Verlassen Sie die ausgetretenen Pfade und entdecken sie einen alten, vergessenen Weg. Vor 500 Jahren ging dieser Weg in die Geschichte ein. Denn er brachte die Reformation in Gang – durch die vielen Wittenberger, die auf ihm zu dem Dominikaner Johann Tetzel nach Jüterbog gelangten und mit dessen Ablassbriefen zurückkamen. Dadurch setzten sie Martin Luther in Bewegung, der mit seinen 95 Thesen gegen den Ablass an die Öffentlichkeit trat.

Auf dem Weg zwischen Jüterbog und Wittenberg kann man nun wieder unterwegs sein, am besten mit dem Rad oder zu Fuß. Es ist eine langsame Annäherung an die Reformation aus einer ungewöhnlichen Perspektive: aus der Zeit vor dem großen Siegeszug der Reformation. Aus dem Mittelalter, jener fremden, bunten Welt voller Glaubensbilder und Widersprüche. Jüterbog hat noch manchen Schatz aus dieser Zeit zu bieten. Der Luther-Tetzel-Weg führt von hier durch alte Dörfer und an alten Kirchen vorbei in die Stadt der Reformation: Lutherstadt Wittenberg.

Wer verstehen will, muss verzögern, muss Raum und Zeit haben, um den fremden Gedanken von Sünde und Gnade nachgehen zu können.

Die Reinheit der Seele oder die Bedrohung der Dämonen – es sind fremde Bilder, die noch immer berühren. Dass die Wahrheit brennt, dass Milde und Tapferkeit nur Wenige adelt, dass freiwillige Armut an die Grenze des Menschenmöglichen führt – es sind alte Vorstellungen, heute übersehen und doch wahr.

Der Luther-Tetzel-Weg wird im Juni 2012 eröffnet. Bis 2017 wird der Weg um Informationen, Darstellungen und Ausstellungen weiter wachsen und so den Radfahrer und Wanderer in die mittelalterliche Gedankenwelt einführen. Auf ihm soll der Reisende einen neuen Blick auf die Reformation gewinnen und auf ihre uralte Botschaft von der bedingungslosen Liebe Gottes für den Menschen – jenem schmutzigen, elenden, ruhelosen Pilger durch die Welt.