Konzept & Historie

Zwischen Jüterbog und Wittenberg gingen die Menschen vor 500 Jahren zu Fuß an einem Tag, gut 40 Kilometer. Wenn es einen wichtigen Grund gab, zogen sie im Licht des Tages von Dorf zu Dorf und durch ungeschützte Gegenden. Trotz der Gefahren, die von Räubern und wilden Tieren, Wetter und Dämonen ausgingen.

Es gab viele Gründe für den Aufbruch: um über die Landesgrenze hinweg Handel zu treiben, um als Sohn aus gutem Hause in Wittenberg zu studieren, um als Tochter von edlem Geblüt in Jüterbog Nonne zu werden. Oder wenn man ein Großereignis in der anderen Stadt nicht verpassen wollte, wie das Ablassfest um Ostern 1517 in Jüterbog.

Der Dominikaner und berüchtigte Ablassprediger Johann Tetzel war mit großem Tross in die Stadt gekommen. Nun konnte man hier erwerben, was es sonst nur im unerreichbaren Rom gab: den päpstliche Ablass, die vollständige Gnade, den “Freibrief” fürs ganze Leben. Mehr ging nicht! Mehr brauchte es nicht!

In Scharen zogen die Wittenberger nach Jüterbog. In der Stadtkirche St. Nikolai gingen sie zu Messe und Beichte und danach zurück nach Wittenberg, mit dem teuer erworbenen Ablassbrief in der Tasche. Und mit dem Gefühl, nun mit allem im Reinen zu sein: mit Gott, mit der Kirche, mit der eigenen Seele, ja sogar mit den lieben Verstorbenen, für die man das Himmelsglück noch nachträglich sichern konnte.

In Wittenberg trafen sie jedoch auf die Kritik Martin Luthers: er war entsetzt über die Faszination für den Ablass und die Leichtigkeit, mit der man ihn erwerben konnte. Die Kirche ist doch kein Kaufhaus für saubere Seelen! Und der Christ soll nicht auf eine Geldzahlung vertrauen, sondern allein auf die Gnade, über die er nicht verfügen kann. Die Wut, aber auch die Angst um die Glaubwürdigkeit der Kirche ließ Luther an die Öffentlichkeit gehen.

Sein Protest gegen den Ablass breitete sich rasant aus und stieß eine Lawine an, die bald keiner mehr aufhalten konnte: die Reformation.