Jüterbog – Wittenberg

Jüterbog um 1517

Mit ca. 4000 Einwohnern ist die an Handelsstraßen gelegene und durch Privilegien reich gewordene Stadt ein überregionales Zentrum und wichtiger Außenposten des Erzbistums Magdeburg.

Drei Klöster liegen in oder bei der Stadt. Auch ohne das vier Kilometer entfernte Kloster Zinna kann die Stadt auf sieben Kirchen und Kapellen verweisen und damit ein großes Ablassfest ‘ausrichten’. 
Mehrere fromme Bruderschaften tragen neben den Klöstern und den Beginen das soziale System der Stadt (Armenhilfe und Hospitäler). Auch gab es bereits Schulen und Stiftungen für mittellose Kinder.
 Überragend in Größe und Bedeutung war die St. Nikolaikirche mit ihren 30 Altären – ein Ort vieler Kleriker und zugleich einer modernen, bürgerlichen Frömmigkeit unter Beteiligung von Laien und deutschsprachigen Predigern.

Jüterbog heute

Die Stadt verfügt noch immer über einen reichen Schatz spätmittelalterlicher Bausubstanz: von den Stadttoren und dem Rathaus bis zu den drei Stadtkirchen und Resten der Klosteranlagen. 
Außergewöhnlich ist der Bestand des Kircheninventars aus dieser Zeit. An ihm ist die Glaubenswelt kurz vor der Reformation (und kurz danach) ablesbar, besonders in der St. Nikolaikirche.


Wittenberg um 1517

Mit ca. 3000 Einwohnern ist Wittenberg die schnell wachsende Residenz- und Universitätsstadt im Ernestinischen Sachsen.

Die 1502 gegründete Landesuniversität Leucorea zieht mittlerweile nicht nur Studenten der Region (zunächst auffällig viele aus Jüterbog), sondern zunehmend aus dem ganzen Reich an. 
Neben der jungen Universität macht die alljährliche Schau der Reliquiensammlung des Kurfürsten Friedrich III., auch “Der Weise” genannt, die Anziehungskraft der Stadt an der Elbe aus. Die öffentliche Präsentation der Reliquien zu Allerheiligen bringt jedes Jahr tausende Pilger nach Wittenberg. Im Gefolge der Universität siedeln sich Druckereien und die Malerwerkstatt Lukas Cranachs d. Ä. in der Stadt an. Im Verlauf der Reformation wird Wittenberg zum wichtigsten Zentrum und Hauptstudienort im Reich.

Wittenberg heute

Die Stadt ist in ihrer historischen Substanz und in ihren kulturellen Einrichtungen geprägt von dem überwältigenden Erfolg und der Identifikationskraft der Reformation. Das Wittenberg der Vorzeit (der Zeit, in der Luther in die Stadt kam) ist längst überprägt von Zeugnissen des reformatorischen Triumphes (Stadtkirche) und der konfessionellen Mythenbildung (Schlosskirche).